Das Achte Wort
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Das Achte Wort
26)بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّح۪يمِ
27)اَللّٰهُ لَٓا اِلٰهَ اِلَّا هُوَ الْحَيُّ الْقَيُّومُ
28)اِنَّ الدّ۪ينَ عِنْدَ اللّٰهِ الْاِسْلَامُ
Wenn du das Wesen dieser Welt und der in ihr hausenden Menschenseele sowie das Wesen der Religion und ihren Wert für den Menschen verstehen möchtest; wenn du begreifen möchtest, dass die Welt ohne die wahre Religion ein Gefängnis wäre und dass der Glaubensleugner das unglückseligste Geschöpf ist; und wenn du sehen willst, dass es die Aussprüche يَٓا اَللّٰهُ »O Allah!« und لَٓا اِلٰهَ اِلَّا اللّٰهُ »Es gibt keine Gottheit, außer Allah« sind, welche das Rätsel des Universums entschlüsseln und die Menschenseele aus der Dunkelheit befreien, so schaue dir das folgende Gleichnis an und höre zu:
Eines Tages machten sich zwei Brüder gemeinsam auf eine lange Reise. Nach einer Weile gelangten sie an eine Weggabelung, wo sich ein vertrauenswürdiger Mann befand. Sie fragten ihn: »Welcher Weg ist vorzuziehen?« Daraufhin antwortete der Mann: »Auf dem rechten Weg herrscht die Pflicht, sich an Gesetz und Ordnung zu halten. Doch diese Bürde birgt Sicherheit und Glückseligkeit. Auf dem linken Weg hingegen herrschen Unabhängigkeit und Freiheit. In dieser Freiheit jedoch liegen Gefahren und Elend. Welchen Weg ihr nun einschlagt, bleibt euch überlassen.«
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26 »Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen«
27 »Allah – es gibt keine Gottheit außer Ihm, dem Lebendigen, dem Beständigen. « (Sūra Āl-i ‘Imrān, 3:2)
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Nachdem sie diese Worte vernommen hatten, schlug der rechtschaffene der beiden Brüder, تَوَكَّلْتُ عَلَي اللّٰهِ »ich vertraue auf Allah« sagend, den rechten Weg ein und akzeptierte die Folgsamkeit gegenüber Gesetz und Ordnung. Der unanständige und ungehorsame Bruder hingegen wählte, allein der Freiheit wegen, den linken Weg. Nun wollen wir im Geiste diesem Mann folgen, der äußerlich zwar mit Leichtigkeit, in Wahrheit jedoch in einer bedrückenden geistigen Verfassung reist.
Dieser Mann also fand sich, nach langer Reise durch Berg und Tal, in einer menschenleeren Wüste wieder, wo er plötzlich ein beängstigendes Gebrüll vernahm. Er erblickte einen furchterregenden Löwen, der aus dem Gebüsch hervorsprang und auf ihn zu stürmte. Daraufhin rannte er davon, bis er auf einen versiegten Brunnen von sechzig Fuß Tiefe stieß, in den er von seiner Angst getrieben hineinsprang. Bis zur Hälfte stürzte er hinab, als seine Hände einen Baum ergriffen, an dem er sich sodann festhielt. Der Baum, der aus der Brunnenwand herausragte, hatte zwei Wurzeln, an denen zwei Mäuse – eine schwarze und eine weiße – nagten und sie durchzubeißen drohten. Der Bruder blickte nach oben und sah den Löwen gleich einem Wächter an der Brunnenöffnung warten. Als er wiederum nach unten schaute, bemerkte er, dass sich im Brunnen ein furchterregender Drache befand. Dieser hob seinen Kopf und näherte sich den dreißig Fuß über ihm befindlichen Füßen des Mannes. Sein Maul war so breit wie der Brunnenschacht. An der Brunnenwand sah er überall schädliches Ungeziefer, das ihn umringte. Als er die Baumkrone näher betrachtete, stellte er fest, dass es ein Feigenbaum war. Jedoch trug der Baum wundersa-
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merweise, von der Walnuss bis zum Granatapfel, die Früchte verschiedenster Bäume.
Dieser Mann verstand aufgrund seines falschen Verständnisses und seiner Unvernunft nicht, dass dies kein zufälliges Szenario war und dass diese sonderbaren Ereignisse einen tieferen Sinn haben mussten. Ebenso wenig erkannte er, dass dahinter ein großer Bewirker stand. Obwohl sein Verstand, sein Herz und seine Seele nun im Stillen wehklagten, brachte ihn sein gebieterisches Selbst dazu, dies – als ob nichts geschehen wäre – zu ignorieren, die Ohren vor dem Weinen der Seele und des Herzens zu verschließen und sich selbst zu betrügen, indem er begann, die Früchte dieses Baumes zu essen, ganz als befände er sich in einem idyllischen Garten, wo doch ein Teil dieser Früchte giftig und schädlich war. In einem heiligen Ḥadīs sagt Allah: 29)اَنَا عِنْدَ ظَنِّ عَبْد۪ي ب۪ي also: »Wie Mich Mein Diener kennt, so verfahre Ich mit ihm.« Dieser Unglückselige hielt also, was er sah, aufgrund seiner schlechten Mutmaßungen und seiner Unvernunft für etwas Gewöhnliches und fasste es als die bloße Wahrheit auf, weswegen er eine dementsprechende Behandlung erfuhr, erfährt und auch weiterhin erfahren wird. Weder stirbt er und entkommt somit, noch lebt er tatsächlich, sondern er verweilt schlicht in dieser Qual. Wir lassen diesen Unglückseligen nun in seiner Pein und kehren zurück, um die Lage des anderen Bruders zu verstehen.
Dieser gesegnete, vernünftige Mann ging also seinen Weg. Da er von gutem Charakter war, dachte er stets positiv, hegte schöne Gedanken und musste nicht so viele Mühen und Strapazen auf sich nehmen wie sein Bruder. So genügte er sich selbst
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29 Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Ḥadīs #6856------7405
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als Gefährte. Denn er kannte die Ordnung, befolgte sie und fand so Erleichterung. Er reiste in Frieden und Sicherheit, bis er schließlich einen Garten erreichte, in dem sich schöne Blumen und Früchte befanden. Da er aber nicht gepflegt wurde, waren auch unansehnliche Dinge vorzufinden. Auch sein Bruder war auf solch einen Garten gestoßen. Jedoch hatte jener sich damit beschäftigt, den schmutzigen Dingen, die in ihm Übelkeit hervorriefen, Beachtung zu schenken. Ohne jegliche Rast hatte er den Garten wieder verlassen und war weitergereist. Dieser Mann aber handelte nach dem Grundsatz »Sieh in allem das Beste« und schenkte den schmutzigen Dingen keinerlei Beachtung. Aus den schönen Dingen wiederum zog er großen Nutzen. Nachdem er sich ausgeruht hatte, zog er weiter und verließ den Garten.
Nach einiger Zeit fand auch er sich, wie sein Bruder zuvor, in einer gewaltigen Wüste wieder. Dort hörte er auf einmal das Gebrüll eines angreifenden Löwen. Er fürchtete sich – wenn auch nicht so sehr wie sein Bruder. Denn aufgrund seiner optimistischen Denkweise und seiner positiven Gedanken dachte er sich, dass diese Wüste einen Herrscher haben musste und die Möglichkeit bestand, dass auch der Löwe dem Befehl dieses Herrschers unterlag, und fand somit Ruhe. Dennoch floh er, bis er schließlich auf einen sechzig Fuß tiefen, versiegten Brunnen traf, in den er hineinsprang. Wie auch sein Bruder ergriff er auf mittlerer Höhe einen Baum und hing nun in der Luft. Er sah zwei Tierchen an den beiden Wurzeln des Baumes nagen. Über sich sah er den Löwen und unter sich einen Drachen. Genau wie sein Bruder, befand er sich in einer außergewöhnlichen Lage. Und wenn er sich auch fürchtete, so war seine Furcht um ein Tausendfaches geringer als die seines Bruders. Denn sein guter
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Charakter erbrachte ihm positive Gedanken, welche ihm wiederum die schöne Seite aller Dinge zeigten. So dachte er: »Diese sonderbaren Begebenheiten stehen in Verbindung zueinander, und es sieht so aus, als würden sie auf denselben Befehl hin ablaufen. Dementsprechend muss es eine Formel zur Entschlüsselung dieser Ereignisse geben. Ja, sie laufen auf den Befehl eines verborgenen Herrschers hin ab. Folglich bin ich nicht alleine; jener verborgene Herrscher beobachtet mich, prüft mich. Aus einem gewissen Anlass lädt er mich ein, leitet mich in eine bestimmte Richtung.«
Dieser süßen Furcht und diesen schönen Gedanken entsprang eine Neugier: »Wer ist es wohl, der sich mir vorstellen möchte, mich testet und mich auf diese sonderbare Weise zu einem bestimmten Vorhaben leitet?« Seiner Neugier, den Besitzer dieser Formel kennenzulernen, entsprang Zuneigung zu diesem Besitzer, welche darauf den Wunsch erweckte, die Formel zu lösen. Durch diesen Wunsch wiederum kam der Wille auf, einen Zustand einzunehmen, an dem der Besitzer dieser Formel Gefallen findet und der ihn zufriedenstellt.
Nun betrachtete er den Baum und erkannte, dass es ein Feigenbaum war. Jedoch trug er die Früchte tausender verschiedener Bäume. Von diesem Moment an war seine Angst ganz und gar verschwunden. Denn er verstand mit Gewissheit, dass es sich bei diesem Feigenbaum um eine Art Speisekarte, ein Verzeichnis, eine Ausstellung handelte. Jener verborgene Herrscher musste Kostproben der Früchte seiner Felder und Gärten mit einer zauberhaften Formel und auf wunderbare Weise an diesem Baum angebracht und ihn mit Hinweisen auf die Speisen, die er für seine Gäste vorbereitet hat, geschmückt haben. Denn
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ein einziger Baum trägt für gewöhnlich nicht die Früchte tausender verschiedener Bäume. Daraufhin begann er inständig zu bitten, bis ihm schließlich der Schlüssel jener Formel eingegeben wurde. Er rief: »O du Herrscher dieser Ländereien! Mein Schicksal hat mich zu dir geführt. Ich suche Schutz bei dir, stehe dir zu Diensten. Ich erbitte deine Zufriedenheit und möchte zu dir gelangen.« Nach dieser innigen Bitte spaltete sich auf einmal die Brunnenwand, und das Maul des Drachen wandelte sich in ein Tor, das in einen prachtvollen und idyllischen, königlichen Garten führte. Der Drache und der Löwe nahmen die Gestalt zweier Diener an, die ihn hereinbaten, und der Löwe diente ihm gar als folgsames Reittier.
Siehe also, o mein faules Selbst1! Und o mein Freund, der Du mich im Geiste begleitest! Kommt und lasst uns die Lagen dieser beiden Brüder vergleichen, damit wir sehen und begreifen, wie Gutes zu Gutem und Schlechtes zu Schlechtem führt. Seht, der unglückselige Reisende auf dem linken Weg zittert durchweg vor Angst und muss jederzeit damit rechnen, in das Maul des Drachen zu stürzen, wohingegen jener Glückselige in einen glanzvollen Garten, reich an Früchten, eingeladen wird.
Das Herz des unglückseligen Bruders berstet vor schmerzhaftem Entsetzen und ungemeiner Angst, während der glückselige aus jenen eigenartigen Ereignissen eine genüssliche Lehre zieht und sie in süßer Furcht und mit lieblicher Kenntnis betrachtet.
Zudem erleidet der Unglückselige schmerzhafte Qualen in Einsamkeit und Verzweiflung, wohingegen der Glückselige, begleitet vom Gefühl der Vertrautheit, voller Hoffnung und Sehnsucht, Genuss empfindet.
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Der Unglückselige sieht sich als einen Gefangenen, der dem Angriff wilder Raubtiere ausgesetzt ist. Der Glückselige aber ist ein ehrenwerter Gast, der sich zutraulich mit den sonderbaren Bediensteten seines großzügigen Gastgebers amüsiert.
Ferner verfrüht der Unglückselige seine Qual, indem er scheinbar köstliche, in Wirklichkeit jedoch giftige Früchte isst. Denn diese Früchte sind Kostproben, die ihm zu probieren erlaubt sind, damit sein Interesse an den Originalen geweckt und er für sie gewonnen werde. Zu schlingen wie ein Tier jedoch ist nicht gestattet. Der Glückselige hingegen kostet und begreift die Situation. Er schiebt den Verzehr auf und genießt das Abwarten.
Weiterhin fügt der Unglückselige sich selbst Unrecht zu. Durch seinen Mangel an Scharfsinn wandelt er eine Wahrheit so schön wie das Tageslicht und einen solch glanzvollen Zustand in eine düstere, ihn erdrückende Wahnvorstellung, ja in eine Art Hölle um. Weder verdient er Mitleid, noch hat er das Recht, sich zu beklagen.
Wenn sich beispielsweise ein Mann nicht etwa mit dem Vergnügen bei einem heiteren Festmahl unter seinen Freunden in einem blühenden Garten während der Sommerzeit zufriedengibt, sondern sich mit schmutzigen Rauschmitteln benebelt und sich einbildet, hungrig und nackt im eisigen Winter, inmitten wilder Tiere zu sein und dann zu schreien und zu weinen beginnt, so verdient er kein Mitleid. Denn er fügt sich selbst Unrecht zu, hält seine Freunde für Raubtiere und würdigt sie herab. Ebenso verhält es sich mit dem Unglückseligen, wohingegen der Glückselige die Wahrheit erkennt. Was die Wahrheit anbelangt, so ist sie schön. Indem er die der Wahrheit zu eigene Schönheit begreift, ehrt er die Vollkommenheit des Besitzers dieser Wahr-
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heit und verdient sich dessen Erbarmen. Somit wird der koranische Grundsatz »Was auch immer dir an Gutem widerfährt, ist von Allah, und was auch immer dir an Schlechtem widerfährt, ist von dir selbst«(30 deutlich. Vergleichst du die beiden Brüder in weiteren Punkten, so wirst du zu dem Schluss kommen: Das gebieterische Selbst des Ersteren bereitet ihm eine geistige Hölle. Dem anderen aber wurden durch seine gute Absicht und seinen Optimismus, durch seine Tugendhaftigkeit und seine positiven Gedanken eine außerordentliche Wohltat und Glückseligkeit sowie eine glanzvolle Gunst und reichliche Gaben zuteil.
O mein Selbst! Und o, der Du diese Geschichte gemeinsam mit meinem Selbst vernommen hast! Wenn Du nicht wie der unglückselige Bruder, sondern wie der glückselige enden möchtest, dann höre auf den Koran, befolge sein Gesetz, halte an ihm fest und handle nach seinem Urteil. Hast Du die Wahrheiten in diesem Gleichnis verstanden, so kannst Du sie auch auf das Wesen der Religion, der Welt, des Menschen und des Glaubens übertragen. Die wichtigsten jener Wahrheiten werde ich erwähnen, lese Du die Feinheiten selbst heraus.
Siehe also! Einer der beiden Brüder steht für die Seele des Gläubigen und das Herz des Rechtschaffenen, der andere für die Seele des Leugners und das Herz des Frevlers. Was die beiden Wege betrifft, so ist der rechte der Weg des Korans und des Glaubens, der linke Weg hingegen ist der Weg des Ungehorsams und der Undankbarkeit. Der Garten, durch den der Weg führt, ist das zeitlich begrenzte gesellschaftliche Leben der Menschengemeinschaft und ihrer verschiedenen Zivilisationen, in welchem sich Gut und Böse, Wohl und Übel sowie Reines
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30 Sūra an-Nisā (4:79)
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und Verdorbenes gleichermaßen befinden. Wer bei Verstand ist, handelt nach dem Grundsatz خُذْ مَا صَفَا دَعْ مَا كَدَرَ »Nimm das Reine und lasse das Schmutzige« und reist somit ruhigen Herzens.
Die Wüste ist unsere Erde, unsere Welt. Der Löwe steht für den Tod und den Zeitpunkt, zu dem er eintritt.
Der Brunnen wiederum ist der menschliche Körper und die Lebenszeit, während die Tiefe von sechzig Fuß auf die durchschnittliche Lebenserwartung von sechzig Jahren hindeutet. Der Baum ist die Dauer des Lebens und das Leben selbst. Die beiden Tierchen, das schwarze und das weiße, symbolisieren die Nacht und den Tag. Was den Drachen betrifft, so steht er, mit seinem Maul als Grab, für die Reise ins Zwischenreich und die Pforte ins Jenseits. Aber dieses Maul ist für den Gläubigen ein Tor, das aus einem Gefängnis heraus in einen wundervollen Garten führt. Das schädliche Ungeziefer steht für das Unheil auf dieser Erde. Für den Gläubigen jedoch kommt dieses Unheil sanften göttlichen Ermahnungen und barmherzigen Zuwendungen gleich, welche sein Herr ihm zukommen lässt, damit er nicht im Schlafe der Unachtsamkeit versinkt.
Die Früchte jenes Baumes sind die diesseitigen Gaben, welche Allah, der absolut Groszügige, als Speisekarte und Vorgeschmack für die jenseitigen Gaben, in ihnen ähnlicher Form erschaffen hat und zu Mustern, die zu den Früchten des Paradieses einladen, gemacht hat.
Die Tatsache, dass jener einzelne Baum Früchte verschiedener anderer Sorten trägt, weist auf den Stempel der Macht des Unabhängigen, das Siegel des göttlichen Herrschertums und das
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Signum der Regentschaft der Göttlichkeit. Denn künstlerische Werke, wie das Erschaffen aller möglichen Dinge aus ein und derselben Sache – also beispielsweise aus einer einzigen Substanz wie der Erde alle Arten von Pflanzen und Früchten hervorzubringen; aus einem einzigen Element, wie dem Wasser alle Arten von Tieren zu erschaffen oder aus der einfachen Nahrung eines Tieres all seine verschiedenen Organe anzufertigen – und das gleichzeitige Hervorbringen einer Einheit aus vielerlei verschiedenen Dingen – wie beispielsweise aus den überaus unterschiedlichen Sorten von Speisen, die ein Lebewesen zu sich nimmt, ebendiesem einen individuellen Leib aus Fleisch anzufertigen oder ein einfaches Kleid aus Haut zu schneidern – sind der kennzeichnende Stempel, das alleinige Siegel und das unnachahmliche Signum des Einen, des Unabhängigen, des ewigen, unvergänglichen Herrschers.
Gewiss, das Erschaffen aller Dinge aus derselben Sache und das gleichzeitige Hervorbringen einer Einheit aus einer Vielzahl von Dingen sind allein dem Schöpfer aller Geschöpfe zu eigen und sind Erkennungsmerkmale und Zeichen Dessen, Der Macht hat über alle Dinge.
Was nun die Formel betrifft, so ist sie das Geheimnis der Weisheit hinter der Schöpfung, welches durch das Geheimnis des Glaubens gelüftet wird. Der Schlüssel wiederum sind die Worte يَٓا اَللّٰهُ »O Allah!«, لَٓا اِلٰهَ اِلَّا اللّٰهُ »Es gibt keine Gottheit außer Allah« und اَللّٰهُ لَٓا اِلٰهَ اِلَّا هُوَ الْحَيُّ الْقَيُّومُ »Allah — es gibt keine Gottheit außer Ihm, dem Lebendigen, dem Beständigen«(31. Die Umwandlung des Drachenmauls zu einem Gartentor macht deutlich, dass das Grab für die Irregehenden und Übertre-
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31 Sūra al-Baqara (2:255)
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ter das Tor zu einem Ort ist, der bedrängend wie ein Kerker und einengend wie der Magen eines Drachen ist, und wo sie in Einsamkeit und Vergessenheit verweilen, während es für die Gläubigen und Befolger des Korans das Tor heraus aus dem irdischen Kerker hinein in die Gärten der Ewigkeit, vom Ort der Prüfung in die Paradiesgärten und von der Mühsal des Lebens zum Erbarmen1 des Erbarmers öffnet.
Auch die Umwandlung des wilden Löwen in einen lieblichen Diener und ein folgsames Reittier veranschaulicht: Der Tod ist für die Irregehenden die ewige, schmerzhafte Trennung von all ihren Geliebten. Er führt sie heraus aus dem trügerischen weltlichen Paradies, hinein in die grausame Einsamkeit, welche sie im Gefängnis des Grabes erwartet, hinter dessen Gitter sie gesperrt werden. Für die Rechtgeleiteten und Befolger des Korans aber ist der Tod ein Mittel zum Wiedersehen von Freunden und Geliebten, die in die andere Welt übergegangen sind; ein Transportmittel für die Rückreise in ihr wahres Zuhause und den Ort ihrer endlosen Glückseligkeit; eine Einladung aus dem irdischen Gefängnis heraus in die Paradiesgärten; das Abholen ihrer Belohnung, die ihnen der barmherzige Erbarmer für ihre erbrachten Dienste aus Seinem Reichtum zuteil werden lässt; die Befreiung von den Mühen ihrer Aufgabe, welche das Leben ist, sowie der Abschluss der Ausbildungen und der Übungen der Gottesdienerschaft und der diesseitigen Prüfung.
Kurzum: Derjenige, der sich das vergängliche diesseitige Leben zum Hauptziel setzt, befindet sich – auch wenn er äußerlich im Paradies zu leben scheint – in Wahrheit in der Hölle. Wer sich aber aufrichtig dem unvergänglichen Leben zuwendet, dem
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wird sowohl die diesseitige als auch die jenseitige Glückseligkeit zuteil. Wie übel und beschwerlich sein diesseitiges Leben auch ist – da er es als Wartesaal für das Paradies ansieht, betrachtet er es stets positiv, harrt in Geduld aus und ist dankbar.
اَللّٰهُمَّ اجْعَلْنَا مِنْ اَهْلِ السَّعَادَةِ وَالسَّلَامَةِ وَالْقُرْاٰنِ وَالْا۪يمَانِ اٰم۪ينَ
اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰي سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓي اٰلِه۪ وَصَحْبِه۪ بِعَدَدِ جَم۪يعِ الْحُرُوفَاتِ الْمُتَشَكِّلَةِ ف۪ي جَم۪يعِ الْكَلِمَاتِ الْمُتَمَثِّلَةِ بِاِذْنِ الرَّحْمٰنِ ف۪ي مَرَايَا تَمَوُّجَاتِ الْهَوَٓاءِ عِنْدَ قِرَٓائَةِ كُلِّ كَلِمَةٍ مِنَ الْقُرْاٰنِ مِنْ كُلِّ قَارِءٍ مِنْ اَوَّلِ النُّزُولِ اِلٰٓي اٰخِرِ الزَّمَانِ وَارْحَمْنَا وَوَالِدَيْنَا وَارْحَمِ الْمُؤْمِن۪ينَ وَالْمُؤْمِنَاتِ بِعَدَدِهَا بِرَحْمَتِكَ يَٓا اَرْحَمَ الرَّاحِم۪ينَ اٰم۪ينَ
وَالْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَم۪ينَ
O Allah! Mache uns zu Leuten der Glückseligkeit und der Sicherheit, zu Befolgern des Korans und zu Gläubigen!
Āmīn!
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O Allah! Sende Frieden und Segen auf unser Oberhaupt Muḥammed, auf seine Familie sowie seine Gefährten in der Anzahl jedes gebildeten Buchstaben in jedem mit der Erlaubnis des Erbarmers in den Wiederspiegelungen der Schwingungen der Luft geäußerten Wortes bei jeder Lesung jedes Wortes des gesegneten Korans von jedem Leser vom Zeitpunkt der ersten Offenbarung bis hin zum Ende der Zeit. Und erbarme Dich unser und unserer Eltern und den gläubigen Männern und Frauen gleichermaßen mit Deiner Barmherzigkeit, o Barmherzigster der Erbarmer!
Āmīn!
Und alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten.


