Das Fünfte Wort
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Das Fünfte Wort
15)بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّح۪يمِ
16)اِنَّ اللّٰهَ مَعَ الَّذ۪ينَ اتَّقَوْا وَالَّذ۪ينَ هُمْ مُحْسِنُونَ
Wenn du erkennen möchtest, wie sehr das Verrichten des Gebets und das Unterlassen der großen Sünden der wahren Aufgabe des Menschen entsprechen und welch naturgemäßes, angebrachtes Resultat seiner Erschaffung sie darstellen, so schaue dir das folgende Gleichnis an und höre zu:
Während der Kriegszeit befanden sich in einem Bataillon zwei Soldaten. Einer von ihnen war geübt und pflichtbewusst, der andere unerfahren und selbstverliebt. Der Pflichtbewusste konzentrierte sich auf Ausbildung und Gefecht und machte sich keine Gedanken über seine Versorgung und seine Essensrationen. Denn er hatte verstanden, dass es die Aufgabe des Staates war, ihn zu versorgen, ihm Ausrüstung bereitzustellen, ihn im Krankheitsfall zu verarzten, ja ihm wenn nötig sogar den Löffel bis zum Mund zu führen und dass seine Hauptaufgabe die Ausbildung und der Kampf waren. Manchmal beteiligte er sich zwar auch am Küchen- und Ausrüstungsdienst – bereitete Essen zu, teilte Portionen aus und spülte das Geschirr –, wäre er aber gefragt worden, was er da tat, so hätte er geantwortet: »Ich erledige ein Paar fällige Nebenarbeiten für den Staat«, und nicht: »Ich arbeite hier für meinen Unterhalt.«
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16 Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen
17 Wahrlich, Allah ist mit denjenigen, die gottesfürchtig sind und die Gutes tun.« (Sūra an-Naḥl, 16:128)
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Der andere, unerfahrene Soldat aber, dessen Gedanken nur um sein Essen kreisten, kümmerte sich nicht um seine Ausbildung oder den Kampf. Er sagte sich: »Das ist die Aufgabe des Staates. Was geht mich das an?« Ständig um seinen Unterhalt besorgt und bemüht, verließ er das Bataillon und begab sich in die Stadt, um Einkäufe zu tätigen. Eines Tages sagte sein erfahrener Freund zu ihm:
»Kamerad, deine eigentliche Aufgabe sind die Ausbildung und der Kampf, dafür wurdest du hierher gebracht. Vertraue auf den König. Er wird dich nicht hungern lassen, denn es ist seine Aufgabe, dich zu versorgen. Du aber bist hilflos und armselig; woanders wirst du niemanden finden, der dich sättigen kann. Zudem befinden wir uns in der Zeit des Kampfes und der Kriegsvorbereitung. Hörst du nicht auf mich, so wird man dich einen Aufrührer nennen und bestrafen. Es zeigen sich uns also zwei Aufgaben: Die eine ist die des Königs, nämlich uns zu versorgen, wobei wir manchmal kleine Arbeiten übernehmen müssen. Die andere Aufgabe ist die unsrige, nämlich die Ausbildung und das Gefecht, bei denen uns der König durch Erleichterungen zur Hilfe kommt.« Du siehst also, in welche Gefahr der widerspenstige Soldat sich begibt, wenn er nicht auf seinen eifrigen, erfahrenen Kameraden hört!
Siehe also, o mein faules Selbst! Dieses stürmische Schlachtfeld ist das strapaziöse diesseitige Leben. Das in Bataillone unterteilte Heer ist die gesamte Menschheit, und jenes Bataillon ist die Gemeinschaft der Muslime in diesem Zeitalter. Was die beiden Soldaten betrifft, so steht einer von ihnen für den gottesfürchtigen Muslim, der sich seiner religiösen Pflichten bewusst ist, sie befolgt und gegen sein inneres Selbst und den
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Satan ankämpft, um sowohl die großen als auch kleine Sünden zu unterlassen. Der andere steht für den verlustreichen Frevler, der auf eine den wa hren Versorger geradezu verleumdende Art und Weise in Besorgnis um seinen Lebensunterhalt gerät, die religiösen Pflichten nicht verrichtet und die Sünden, die sich ihm auf seinem Weg des Unterhaltserwerbs anbieten, begeht. Die Ausbildung und die Übungen sind der Gottesdienst, allem voran das Gebet. Jenes Gefecht ist der Kampf gegen das innere Selbst, die Gelüste und die Satane der Menschen und der Dschinn, durch den Herz und Seele vor Sünden, schändlicher Moral und der ewigen Verderbnis gerettet werden. Was die beiden Aufgaben betrifft, so besteht die eine darin, das Leben zu geben und zu erhalten und die andere darin, jenen Geber und Versorger des Lebens zu verehren, Ihn anzuflehen, Ihm volles Gottvertrauen entgegenzubringen und sich auf Ihn zu verlassen.
Gewiss, Derjenige, Der das Leben – welches das glanzvollste Wunder der Kunst des Unabhängigen und ein Wunderwerk der göttlichen Weisheit darstellt – gegeben und erschaffen hat, ist auch Derjenige, Der alles Leben versorgt und aufrechterhält. Ein anderer als Er kommt nicht in Frage. Du willst einen Beweis?
Die schwächsten und einfältigsten Tiere, wie beispielsweise Würmer und Fische, werden am besten genährt; die hilflosesten und schwächlichsten Geschöpfe, wie Kinder und Säuglinge, erhalten die wertvollste Nahrung. Um zu begreifen, dass das Mittel zur erlaubten Nahrung nicht Können und Entscheidung, sondern vielmehr Hilflosigkeit und Schwäche sind, genügt es, Fische mit Füchsen, Neugeborene mit Raubtieren und die Bäume mit den Tieren zu vergleichen.
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Das zeigt also, derjenige, der sein Gebet in Sorge um seinen Unterhalt vernachlässigt, gleicht einem Soldaten, der seine Ausbildung abbricht, die Deckung verlässt und auf dem Markt betteln geht. Solange man aber das Gebet verrichtet, ist es gut und lobenswert, ja sogar eine Form des Gottesdienstes, seine Versorgung persönlich in der Küche der Barmherzigkeit des groszügigen Versorgers zu suchen, um anderen nicht zur Last zu fallen. Dass der Mensch für den Gottesdienst erschaffen wurde, zeigen seine Natur und seine geistige Ausstattung. Denn hinsichtlich des Aufwands und der Fähigkeiten, die für sein Leben auf der Erde nötig sind, ist er gar dem mickrigsten Vogel unterlegen. Betrachtet man aber die für sein geistiges und jenseitiges Leben benötigten Dinge wie Wissen, das zum Ausdruck Bringen seiner Bedürftigkeit, das inständige Bittstellen an seinen Herrn und den Gottesdienst, so entspricht der Mensch einem Herrscher und Befehlshaber über das Tierreich.
Das heißt also – o mein inneres Selbst! –, wenn du dir das weltliche Leben zum Hauptziel setzt und ständig darauf hinarbeitest, ragst du gerade einmal an einen einfachen Vogel heran. Setzt du dir aber das jenseitige Leben zum Hauptziel, machst dir auch das diesseitige Leben zum Mittel und zu einem Acker für das Jenseits und arbeitest dementsprechend, so wirst du zu einem großen Befehlshaber über die Tiere und zu einem teuren Diener und ehrenwerten, geschätzten Gast Allahs in dieser Welt. Es bieten sich dir also zwei Wege – die Entscheidung aber liegt bei dir. Bitte den Barmherzigsten der Erbarmer um Rechtleitung und Erfolg.


