Das Zweite Wort
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Das Zweite Wort
9)بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّح۪يم
10)اَلَّذ۪ينَ يُؤْمِنُونَ بِالْغَيْب
Wenn du begreifen möchtest, welch große Glückseligkeit und welch wertvolle Gabe, welch hoher Genuss und welch eine Gelassenheit sich im Glauben befinden, so schaue dir das folgende Gleichnis an und höre zu:
Eines Tages begaben sich zwei Männer sowohl zum Vergnügen als auch für den Handel auf eine Reise. Einer von ihnen war selbstgefällig und unglückselig und schlug die eine Richtung ein; der andere, der gottgefällig und glückselig war, die andere. Da der Selbstgefällige zugleich selbstsüchtig, nur um sich selbst besorgt und pessimistisch war, traf er als Folge seiner Schwarzseherei auf ein Land, das in seiner Sichtweise äußerst verwahrlost war. Überall erblickte er verzweifelte, hilflose Menschen, jammernd und klagend über die zerstörerischen Taten Furcht einflößender, brutaler Tyrannen. Wohin er auch kam, fand er solch eine traurige, schmerzliche Lage vor. Das ganze Land nahm die Gestalt eines öffentlichen Trauerhauses an. Um diese schmerzhaften, bedrückenden Zustände nicht weiter ertragen zu müssen, sah er keinen anderen Ausweg, als in die Trunkenheit zu fliehen. Denn jeder sah für ihn wie ein Feind, wie ein Fremder aus. Allerorts sah er grausige Leichname und Waisen, die voller Verzweiflung weinten. So wandte sich seine Seelenruhe in schmerzhafte Qual.
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9 Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen
10 »Diejenigen, die an das Verborgene glauben« (Sūra al-Baqara, 2:3)
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Der andere, der gottgefällig und wahrheitsliebend war, verehrte seinen Herrn und war von gutem Charakter. So traf er auf ein in seiner Sichtweise vortreffliches Land. Dieser lobenswerte Mann fand in dem Land, das er bereiste, ein allgemeines Volksfest vor. Überall erblickte er Fröhlichkeit, Feierlichkeiten und in tiefer himmlischer Ekstase und Frohsinn versunkene Häuser der Gotteserwähnung. Jeder sah für ihn wie ein Freund, wie ein Verwandter aus. Im ganzen Land konnte er von Freudenrufen und Danksagungen begleitete, gemeinschaftliche Dienstbefreiungs- Zeremonien beobachten. Neben Trommeln und Musik, welche feierliche Rekrutierungen untermalten, vernahm er Freudenrufe der Bevölkerung, welche begeistert die Größe ihres Herrn preisten und Seine Einheit bezeugten.
Ebenso wie der zuvor erwähnte Unglückselige sowohl durch sein eigenes als auch durch das allgemeine Leid des Volkes betrübt worden war, so wurde auch dieser Glückselige, sowohl durch seine eigene als auch durch die allgemeine Heiterkeit des Volkes beglückt und erleichtert. Zudem erzielte er noch einen ansehnlichen Gewinn und dankte Allah. Danach kehrte er zurück, begegnete dem anderen Mann, erkannte dessen Lage und sprach zu ihm:
»He, du bist doch verrückt geworden! Die Scheußlichkeit in deinem Inneren muss sich wohl auf das Äußere ausgewirkt haben, sodass du Lachen als Weinen und Dienstbefreiung als Raub und Ausbeutung empfindest. Komm zur Vernunft und reinige dein Herz, auf dass sich dieser unheilvolle Schleier von deinem Blick löst und du die Wahrheit erkennen kannst. Denn das Königreich eines in höchstem Maße gerechten, erbarmungsvollen, bürgernahen, mächtigen, ordnungsliebenden und gütigen Herr-
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schers, welches zugleich ganz offensichtlich höchst fortschrittliche und vollkommene Werke hervorbringt, kann unmöglich so sein wie es deine Einbildung dir vorgibt.« Daraufhin kam der Unglückselige zur Besinnung und erwiderte reuevoll: »Ja, ich hatte vor lauter Trunksucht den Verstand verloren. Möge Allah mit dir zufrieden sein dafür, dass du mich aus diesem höllenhaften Zustand befreit hast.«
O mein Selbst! Wisse: Der erste der beiden Männer repräsentiert den Glaubensleugner oder den unachtsamen Frevler. In seinen Augen ist diese Welt ein öffentliches Trauerhaus und all ihre Lebewesen sind Waisen, Tränen vergießend unter den Schlägen von Trennung und Vergänglichkeit. Tier und Mensch sind für ihn einsame umherirrende Wesen, die von den Klauen der Todesstunde in Stücke gerissen werden. Gewaltige Geschöpfe wie Berge und Meere kommen monströsen leblosen Gestalten gleich. Viele weitere schmerzhafte, bedrückende und beängstigende Einbildungen wie diese entspringen seinem Unglauben und seinem Irregehen und bereiten ihm geistige Qualen.
Der andere Mann hingegen ist der Gläubige, der seinen Schöpfer kennt und Ihn bestätigt. In seinen Augen ist diese Welt ein Haus der Gotteserwähnung, eine Ausbildungsstätte für Mensch und Tier und eine Prüfungsstätte für Mensch und Dschinn. Was den Tod von Tieren und Menschen betrifft, so ist er eine Dienstbefreiung. Diejenigen, die ihre Aufgabe, welche das Leben ist, beendet haben, gehen frohen Mutes von diesem vergänglichen Ort in eine Welt ohne Strapazen über, damit Platz geschaffen wird für neue Bedienstete, die nachrücken und ihren Dienst aufnehmen. Die Geburt von Tieren und Menschen wiede-
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rum ist ein Ruf unter die Waffen und das Beschreiten einer Amtspflicht. Jedes Lebewesen ist ein fröhlicher dienstleistender Soldat, ein zufriedener, ordnungstreuer Beamter. Jeder Laut, der erschallt, ist entweder eine Gotteserwähnung und eine Preisung der Erhabenheit Allahs zu Beginn der Arbeit, ein Dankes- und Freudenruf bei Arbeitsschluss oder eine unter dem Frohsinn der Arbeit ertönende Melodie. Im Auge des Gläubigen ist jedes Geschöpf ein gefügiger Diener, ein befreundeter Beamter und ein lieblicher Brief seines groszügigen Gebieters und barmherzigen Besitzers. Noch viele weitere feine, erhabene und genüssliche Wahrheiten wie diese kommen durch seinen Glauben zum Vorschein.
Das heißt also, der Glaube trägt den geistigen Kern des Paradiesbaumes Ṭūbā, während der Unglaube den geistigen Samen des Höllenbaumes Zaqqūm in sich birgt. Frieden und Geborgenheit liegen demnach einzig und allein in der Gottergebenheit und im Glauben, weshalb es uns stets obliegt, zu sagen:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰي د۪ينِ الْاِسْلَامِ وَكَمَالِ الْا۪يمَانِ
»Alles Lob gebührt Allah für die Religion des Islams und die
Vollkommenheit
des Glaubens.«


